Überblick – Mieterverein Stuttgart analysiert Zensus‑Daten
Der Mieterverein Stuttgart hat den aktuellen Zensus für das Jahr 2022 ausgewertet und festgestellt, dass 11 152 Wohnungen in Stuttgart leer stehen. Das entspricht 3,46 % aller Wohnungsbestände und liegt fast auf dem Niveau des Vorjahres 2011. Trotz eines seit 2016 geltenden Zweckentfremdungsverbots, das Leerstand über sechs Monate genehmigungspflichtig macht, bleibt die Situation unverändert.
Leerstand – Langzeitleere Wohnungen
Von den leerstehenden Wohnungen waren 6 105 länger als sechs Monate unbewohnt und damit grundsätzlich genehmigungspflichtig. Besonders alarmierend sind die 4 179 Wohnungen (37,5 %), die seit über einem Jahr leer stehen. Der Verein kritisiert, dass diese Langzeitleerstände kaum adressiert werden und fordert stärkere behördliche Maßnahmen.
Vergleich – Mikrozensus vs. Zensus
Der Mikrozensus von 2018 ergab für Stuttgart einen Leerstand von 6,6 %, während die Stadt im Jahr 2019 lediglich 0,5 % angab. Die offiziellen Schätzungen der Stadt von rund 3 000 leerstehenden Wohnungen liegen damit um mehr als 8 000 Einheiten zu niedrig. Auch die früheren Stadtberichte von 2021 und 2023 unterschätzen das Ausmaß erheblich.
Folgen – Auswirkungen auf Wohnungsmarkt und Umwelt
Der Verein argumentiert, dass die Mobilisierung der leerstehenden Wohnungen den Wohnungsmarkt entlasten und Pendlerströme reduzieren könnte. Bei einer durchschnittlichen Belegung von 2,2 Personen pro Wohnung könnten die über ein Jahr leer stehenden Wohnungen allein den Stadtteil Stuttgart‑Wangen (9 400 Einwohner) aufnehmen. Weiterhin würden durch die Vermeidung von Neubau‑Projekten erhebliche graue Energie eingespart.
Handlungsbedarf – Stadt Stuttgart vs. München
Stuttgart hat seit Einführung des Zweckentfremdungsverbots in acht Jahren nur 360 Verstöße (ca. 45 pro Jahr) geahndet. Im Vergleich dazu beendet München jährlich etwa 450 Wohnungen (zehn‑fach mehr) und verfügt über ein Personalteam von über 40 Mitarbeitenden im Gegenstück‑Amt, während Stuttgart nur fünf Stellen hat. Der Mieterverein fordert eine Aufstockung des Personals und bessere Öffentlichkeitsarbeit für Meldestellen.
Appell – Bürger‑ und Politikengagement
Der Vorsitzende Rolf Gaßmann ruft den Oberbürgermeister dazu auf, den Bürgersinn der Eigentümer zu aktivieren und deutlichere Sanktionen durchzusetzen. Der Verein sieht in einer konsequenteren Durchsetzung des Verbots und einer stärkeren Einbindung der Bürger einen Schlüssel zur Lösung des Problems.
Fazit – Dringende Notwendigkeit nachhaltiger Wohnraumpolitik
Die vorliegenden Zahlen belegen einen erheblichen, seit Jahren unterschätzten Wohnungsleerstand in Stuttgart. Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit, leerstehende Bestände zügig zu reaktivieren, um den Wohnungsmarkt zu stabilisieren, ökologische Ressourcen zu schonen und soziale Gerechtigkeit zu fördern. Der Mieterverein Stuttgart positioniert sich als kritischer Beobachter und fordert konkrete politische Maßnahmen.
